Tausende Geflüchtete kommen nach wie vor jeden Tag in Deutschland an. Dabei ist das Smartphone ein wichtiger Begleiter: über Kartenapplikationen wird die Route koordiniert, Messenger und Facebook fungieren zum Austausch über möglichst komplikationsfreie Routen und natürlich dient das Handy auch der Aufrechterhaltung des Kontakts zu den Angehörigen und Freunden. Somit hilft ein transportabler Internetzugang nicht nur auf der Flucht – auch bei vielen alltäglichen Problemen ist es von großem Nutzen, zum Beispiel, wenn in Deutschland Asyl beantragt wird.

Dass die deutschen Behörden eine Reform in der Asylpolitik seit langen versäumt haben wird bei der derzeitigen Überforderung mit der hohen Anzahl der Geflüchteten sichtbar. Schon die Versorgung von Grundbedürfnissen, wie Nahrung, Kleidung oder Wohnung, ist ohne das ehrenamtliche Engagement der Zivilbevölkerung kaum möglich. Dabei funktioniert auch die Organisation und Koordination der freiwilligen Helfer/innen, Gruppen und Initiativen wiederum über das Internet.

So lässt sich in der digitalen Welt, ein in der Größenordnung selten verspürten Anstieg des Engagements beobachten. Obwohl die Menge der Geflüchteten in Deutschland ein relativ neues Phänomen ist, gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die versuchen, die damit zusammenhängenden Themen digital zu anzugehen.

Einen besonderen Stellenwert, in der koordinierten Organisation,  nimmt der Refugee-Hackathon in Berlin ein, der im Oktober 2015 erstmalig stattfand. Bei diesem Treffen kamen Programmierer, Designer, Sozialwissenschaftler, Mitglieder von Hilfsorganisationen, freiwillige Helfer/innen und Geflüchtete zusammen, um digitale Hilfsangebote zu entwerfen und umzusetzen.

Hierbei entstand unter anderem metacollect – eine Plattform, die möglichst alle Initiativen für Geflüchtete in einer Datenbank aufführen möchte. Dabei soll es sich keinesfalls um eine lose Auflistung der gefunden Websites und Angeboten handeln. Deshalb versuchte die Projektgruppe, die Initiativen nach verschieden  Funktionen und Angeboten, aber auch nach deren verwendeter Technologie, Sicherheit, sowie dem Status des Projekts zu kategorisieren. Unmittelbar beim Erstellen der Datenbank wurde klar, wie groß und vielfältig das digitale Engagement ist. Allerdings, bei solch einer positiv zu verzeichnenden Menge, fiel auch die Gleichartigkeit der deutschland- und europaweit entwickelten Projekten auf. Diese erarbeiteten zum Teil immer wieder sehr ähnlich geartete Lösungen. Dies führt zu einer erschwerten Übersicht der Hilfelandschaft und verhindert die Einschätzung über den Status eines Projekts. Gerade seitens der Geflüchtete war der Wunsch nach Sicherheit und Gewissheit über die online zu Verfügung gestellten Informationen extrem wichtig.

Aus dieser Beobachtung resultierte das Ziel, eine gepflegte, stets aktuelle Datenbank, Geflüchteten und Helfer/innen unmittelbar unterstützend zur Seite zu stellen. Gleichartige Projekte werden mit all ihren intendierten Facetten kategorisiert und  zusammengeführt. Schnell würde ersichtlich welche Projekte Menschen wirklich qualitativ erreichen. Im Idealfall tauschen Projekte untereinander bereits erstellten, gut funktionierenden Code.  Doppelarbeit sowie fehlerhafte Information könnten obsolet werden. Die Folge wäre eine deutlich schnellere Hilfe, weniger brach liegende Entwicklungen und mehr Qualität und Übersicht für alle Beteiligten.

Die Bearbeitung der Datenbank und einer passenden Website, liegt derzeit zum großen Teil in den Händen der Teilnehmer/innen unseres Data Science Seminars.

Einige von uns hatten bereits als Teilnehmer des Refugee-Hackathon an diesem Projekt mitgewirkt. Um Seminarkreis einigten wir uns dann mit einem Großteil der Teilnehmer/innen darauf,  aufgrund der Dringlichkeit, metacollect im laufenden Semester weiter aus zu bauen.

Im wöchentlichen Turnus kommen wir darüber hinaus mit weiteren Aktivisten von metacollect im OK-Lab Berlin zusammen und berichteten über den Stand der Dinge, koordinieren Arbeitspakete und vernetzen uns mit anderen Gruppen, die ebenso wie wir, an der digitalen Selbstorganisation für Geflüchtete arbeiten.

Ebenso standen die Räumlichkeiten und vernetzenden Ressourcen des Migration Hub zur Verfügung, ein Ort mit open door policy, welcher Projekten, Unternehmen und Initiativen mit Bezug zum Thema Migration oder der “Flüchtlingsthematik” zur Verfügung steht und insbesondere ein Ort für Geflüchtete sein soll.

Diesen Orten und denen dort engagierten Menschen ist im besonderen Maße zu verdanken, dass solch ein kreativer Austausch möglich ist und inhaltlich so versiert, ambitioniert und visionär gearbeitet werden kann.

Der Staat kann die Herausforderungen, die durch die große Anzahl von Geflüchteten entstehen, nicht alleine bewältigen und ist auf das zivilgesellschaftliche Engagement angewiesen. All die Projekte und Initiativen versuchen rasche und maßgeschneiderte Lösungen für die bereits überforderte Verwaltung zu finden. Mit Erfolg!

Die Geflüchteten sind mit der digitalen Welt vernetzt, die Helfenden organisieren sich online – wir wollen eine offene Schnittstelle schaffen, um die Hilfsangebote transparent zu machen. Denn nur so können die bestehenden Probleme effizient und vor allem gemeinsam gelöst werden.

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