In unserer Zeit, welche maßgeblich durch das Internet und andere Medien geprägt wird, ist häufig die Rede von „Open Data“, also „offenen Daten“. Diese Begrifflichkeit beschreibt die freie Zugänglich – und Verfügbarkeit von öffentlichen Daten. Zu diesen offenen Daten zählen verschiedenste Datenbestände, die vor allem im Interesse der Allgemeinheit zur freien Nutzung, Weiterverarbeitung  und Weiterverwendung stehen. Hierbei handelt es sich nicht ausschließlich nur um Datensätze der öffentlichen Verwaltung; auch Non-Profit Einrichtungen, gewinnorientierte Unternehmen und die Wissenschaft können solche Daten produzieren und zur Verfügung stellen. Ähnlich wie Open Data funktionieren auch andere „Open-Modelle“, wie etwa Open Acces, Open Government und der Datenjournalismus (Data Journalism). Was man unter Data Journalism versteht, wie sich dieses Modell entwickelt hat, welche Legitimität diese Entwicklung besitzt, warum Journalisten davon profitieren sollten, welche Perspektiven sich dadurch eröffnen und wie Data Journalism im Konkreten dargestellt wird, werde ich mit Hilfe dieses Artikels erörtern und vorstellen.

Was ist Data Journalism?

Data Journalism setzt sich aus den Wörtern „Daten“ und „Journalismus“ zusammen und man könnte meinen es sei Journalismus, welcher auf Daten beruht. Im Prinzip ist das auch so, denn in unserer digitalen Welt beruht alles mögliche auf Daten, Zahlen, Nullen und Einsen. Wir können so gut wie alles durch Zahlen beschreiben.

Datenjournalismus bedeutet aber nicht nur die Recherche in Datenbanken, sondern auch die Sammlung, Analyse und eben auch Publikation öffentlich zugänglicher Informationen, sowie die Verarbeitung in gängigen journalistischen Darstellungsformen.  Doch was unterscheidet nun den Datenjournalismus vom „normalen“ Journalismus? Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich sagen, dass es die verschiedenen Möglichkeiten und Perspektiven im Umgang mit den Informationen sind, die den Datenjournalismus zu dem machen, was er ist. Diese ergeben sich durch mehrere Ebenen der Erfassung und Bearbeitung der Daten, z.B. kann eine programmierte Automatisierung der Erfassung von Informationen der Kommunalverwaltung stattfinden oder die Nutzung von Software um Verbindungen zwischen vielen Dokumenten zu finden.

Der Datenjournalismus kann eine komplexe Story in eine anschauliche Infographik verwandeln und so mehr Menschen erreichen. Für den Datenjournalismus können Daten die Quelle oder ein Werkzeug sein oder eben auch beides. Doch müssen wir uns immer fragen, wie verlässlich die Quelle ist und wie das entsprechende Werkzeug zu händeln ist.

Geschichte des Data Journalism

Den Begriff Data Journalism prägte zunächst die englische Tageszeitung „The Guardian“ im März 2009 und nahm damit eine Vorreiterrolle in diesem Bereich ein. Im Data Store der Zeitung werden maschinenlesbare Informationen per Software miteinander verknüpft und analysiert. Das hieraus resultierende Ergebnis dient als Basis für interaktive Visualisierungen, welche mit dem Datensatz und Erläuterungen zum Kontext publiziert und mit Text, Audio oder Video kommentiert werden. In Deutschland machte „M – Menschen Machen Medien“, eine Fachzeitschrift der Gewerkschaft ver.di, im März 2010 durch ein Titelthema zu Data Journalism  den Begriff in Deutschland bekannt.

Als Durchbruch des Datenjournalismus gelten die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs des Afghanistan-Krieges und des Kriegstagebuchs des Irak-Krieges durch WikiLeaks, sowie deren Aufbereitung durch „The Guardian“ und „The New York Times“.  Der Datenjournalismus hat in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit und Anhänger gefunden (The Guardian, The New York Times, Zeit Online) und fast alle großen oder auch kleineren Medien entdecken diese Art der Berichterstattung für sich und das jeweilige Publikum.

Datenjournalismus – Profit für die Journalisten

In der Vergangenheit diente die gute alte Druckmaschine als Gateway für brisante Nachrichten, die sich beispielsweise über Nacht ereigneten. Man konnte so die Menschen in der Stadt oder der Region am nächsten Morgen mittels der Zeitung erreichen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Heute erreicht uns ein überwältigender Nachrichtenstrom, welcher seinen Ursprung in verschiedenen Quellen, wie Blogs und Augenzeugen hat. All das was geschieht wird durch ein riesiges Netzwerk von sozialen Verbindungen gefiltert, erhält eine Platzierung, wird kommentiert und oft auch ignoriert.

Genau deshalb ist Datenjournalismus so relevant. Das Filtern, Sammeln und Visualisieren von Dingen, die wir gar nicht mehr wahrnehmen können, weil die Informationsflut so enorm ist, erhält einen immer höheren Stellenwert.

 

In der heutigen globalen Wirtschaft gibt es unzählige von unsichtbaren Verbindungen zwischen Produkten, Menschen und uns ganz persönlich. Dieses Netzwerk spricht die Sprache der Daten: oft gibt es nur Informationsschnipsel, die einzeln betrachtet wenig aussagekräftig sind, die aber vom richtigen Blickwinkel her betrachtet extrem wichtig sein können. Durch die Arbeit mit Daten verschiebt sich auch der Arbeitsschwerpunkt der Journalisten: sie sind nicht mehr nur die, die uns als Erste mitteilen, was auf der Welt geschieht; sie sind nun die, die uns berichten können, welche Bedeutung eine bestimmte Entwicklung besitzt. Das Spektrum der Themen ist schier unendlich: die nächste sich anbahnende Finanzkrise oder auch die Ökonomie hinter den Produkten, die wir verwenden. Außerdem zeigen sie, inwiefern abstrakte Problematiken wie Arbeitslosigkeit die Menschen, basierend auf ihrem Alter, ihrem Geschlecht und Bildungsstand, betrifft. Mit den ihnen dargebotenen Daten erschaffen sie aus dem Abstraktum, etwas das für alle verständlich und nachvollziehbar ist und mit dem man sich vergleichen kann. Sie können auch die Dynamik einer komplexen Situation analysieren (z.B. politische Debatten), finden Täuschungen und Unwahrheiten heraus und helfen somit mögliche Problemlösungen ans Licht zu bringen. Datenjournalismus ist nicht nur für uns „Laien“ eine hervorragende Sache, nein, auch  für die Schreiberlinge selbst. Viele Journalisten hoffen irgendwann mal in die PR-Abteilung wechseln zu können und ihre Zukunftsperspektive sieht auch ganz rosig aus, denn sie sind bereits eine sehr gefragte Gruppe von Mitarbeitern, nicht nur in den Medien. Firmen und Institutionen sind weltweit auf der Suche nach den sogenannten „Sense makers“ und Profis, die genau wissen wie man sich durch den Datenhaufen wühlt und diesen in etwas Greifbares verwandelt.

Relevanz des Datenjournalismus

Ich habe bislang nur die Chancen des Datenjournalismus für die Journalisten vorgestellt und gehe nun auf die allgemeine Relevanz und Legitimität ein. Einige Befürworter und praktizierende Datenjournalisten haben sich mit der Frage der Relevanz und Notwendigkeit beschäftigt und äußerten sich wie folgt:

 „ We process at two levels: (1) analysis to bring sense and structure out of the never-ending flow of data and (2) presentation to get what’s important and relevant into the consumer’s head. Like science, data journalism discloses its methods and presents its findings in a way that can be verified by replication.“ – Philip Meyer, Professor Emeritus, University of North Carolina at Chapel Hill

„Data journalism is an umbrella term that, to my mind, encompasses an ever-growing set of tools, techniques and approaches to storytelling.“- Aron Pilhofer, New York Times

„Data journalism is a new set of skills for searching, understanding and visualizing digital sources in a time that basic skills from traditional journalism just aren’t enough. It’s not a replacement of traditional journalism, but an addition to it.“ – Jerry Vermanen

Dies sind natürlich nur einige Vorteile und positive Effekte des Datenjournalismus- zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Datenjournalismus:

  1. 1. den gigantischen Datenfluss filtert
  2. 2. neue und innovative Ansätze für das Storytelling bietet
  3. 3. journalistische Fähigkeiten aktualisiert
  4. 4. unabhängig offizielle Informationen interpretiert
  5. 5. Zeit spart und
  6. 6. Dinge zeigt, die wir sonst nicht erkennen würden.

 

Beispiele

Insbesondere im englischsprachigen Raum gibt es unzählige Beispiele und Verwendungsmöglichkeiten des Datenjournalismus, welcher sich wachsender Beliebtheit erfreut. „The New York Times“ gilt als einer der Vorreiter und in ihrer Linked Open Data Sammlung stellen sie viele Rohdaten über Personen und Orte bereit, die der Recherche dienlich sein können. Im Folgenden möchte ich auf zwei ausgewählte deutsche Beispiele und ein anschauliches englisches Beispiel eingehen.

Bahnverspätungen auf Süddeutsche.de

Wir alle kennen das Problem: die Bahn verspätet sich mal wieder, Gestöhne und Unmut machen sich breit. Seit dem Jahre 2011 protokolliert die Süddeutsche sämtliche (Un)Pünktlichkeiten in einer riesigen Datenbank.

Auf einer interaktiven Deutschlandkarte kann nun jeder Nutzer live den Fernverkehr in ganz Deutschland verfolgen. Mit Hilfe des „Verspätungs-Atlas“ ist genau erkennbar, auf welchen Strecken und an welchen Bahnhöfen die größten Probleme bestehen, wobei sich diese durch eine Farbskalierung bemessen lassen.

Screenshot: http://www.sueddeutsche.de/reise/verspaetungs-atlas-so-verspaetet-ist-die-bahn-in-ihrer-stadt-auf-ihrer-strecke-1.1651455

Der Live – Zugmonitor, als auch der Verspätungs-Atlas lassen sich auf dieser Website finden

 

Gruppenbild einer alternden Gesellschaft auf Zeit Online.de

Hier kann man die zukünftigen Veränderungen unserer alternden Gesellschaft betrachten und auch selbst bestimmen lassen, wie hoch die eigene Lebenserwartung bei der Geburt war und in welche Richtung sich diese Zahl mit Erreichen des 60. Lebensjahres bewegt. Die Daten hierfür lieferte das Statistische Bundesamt mit seiner 12. Bevölkerungsvorausberechnung. Zusätzlich ergänze Zeit Online diese Prognosen durch Datensätze ab dem Jahre 1950 und hat pro Jahr jeweils 40 statistische Repräsentanten für ein Gruppenbild der Bevölkerung berechnet.

Ergänzung: Meine eigene statistische Lebenserwartung lag im Jahre 1989 bei 86,42 Jahren und wird ab meinem 60. Lebensjahr um knapp 2 Jahre ansteigen. Für alle, die auch gerne mal erfahren möchten wie hoch die eigene statistische Lebenserwartung ist: http://www.zeit.de/wissen/altersstruktur

 

Poverty – A History of Poverty

Diese Anwendung stellt Weltarmut und die ihre Geschichte graphisch und interessant dar. Sie verschafft dem Nutzer einen Überblick darüber, was zu dem wirtschaftlichen und sozialen Ungleichgewicht in unserer Welt führt und was das bedeutet. Der Nutzer wird anfänglich mittels einer Slideshow in die Thematik eingeführt und durch die interaktive Anwendung erfährt der User die Zustände in den einzelnen Länder. Nach eigenen Angaben beruht „Poverty“ auf UNBD-Datensätzen, u.a. auf UNESCO-Daten, UN-Daten und Weltbankentwicklungsindikatoren.

 

Quellen

http://datenjournalist.de/

http://www.datenjournal.de/

http://opendata-network.org/2010/04/data-driven-journalism-versuch-einer-definition/

http://datenjournalist.de/datenjournalismus-und-die-zukunft-der-berichterstattung/

 

geschrieben von : Janett W.

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