Die Kanäle laufen heiß, die Streams rasen an uns vorbei. Sinnloses von Sinnbehaftetem zu trennen gelingt nur bedingt, denn Aufmerksamkeit und somit Teilbarkeit bemisst sich oft nicht an Qualität und eine Objektivität herstellende Instanz kann es eh nie geben. Somit werden wir uns in Zeiten sozialer Netzwerke, Twitter und auch eMail stets weiter berauschen zu lassen, von all den Informationen, die sich wie Schwärme von Monarchen* auf digitale Wanderschaft begeben, bis wir uns die Pixel aus den Augen reiben.

In dieser Reihe also fügen wir ein weiteres Scheibchen subjektiver Datenselektion hinzu, lassen revue passieren, was in der Woche bei uns so passierte, wo wir hinguckten, was uns aufschreckte und begeisterte. Dies soll kein Reiseführer durch digitale Räume werden, es geht hier zunächst um einen Start, ein kleines bisschen Ordnung in einem riesigen Kabel- und Entropiesalat. Das Format wird sich wohl noch finden, aber aller Anfang ist einer. Somit: der Wochenpost 06/13.

Kettenbriefe hatten es schon immer schwer. Seien es Sagen, Märchen, Geldversprechen oder Penispumpen, Kettenbriefe sind die Viren unter den Kommunikaten. Lästig, aber so variabel, dass sie immer wieder Verbreitungswirte finden. Hier gab es jedoch mal wieder diese alte chinesische Geschichte über das Vermessen, Glück und Unglück im Augenblick zu ermessen, welche so viel über die Nichturteilsfähigkeit im Leben allgemein und die Kontingenz von eintretenden Situationen andererseits zu erzählen weiß, dass sie hier nicht fehlen darf.

Ein interessantes Tool befindet sich bei uns nun seit einigen Wochen in der Testphase. Der Demetricator. In der Onlinewelt dreht sich vieles um Zahlen. Wieviele Views? Wieviele Likes? Wieviele Kommentare? Dieses kleine für alle gängigen Browser erhältliche Plugin macht zumindest aus facebook eine zahlenfreie Welt. Es macht durchaus einen Unterschied, ob unter einem Beitrag “10000 mögen das” oder “Personen mögen das” steht.

Ein sehr guter Artikel in der Taz vom Dienstag beschäftigt sich mit einem Phänomen, was in Gamerkreisen wahrscheinlich keinen hinter dem Ofen vorlocken wird, aber gesamtgesellschaftliche Relevanz bisher vermissen ließ: spielende Besprechungen von Computerspielen als Internetvideos. Hunderttausende gucken einigen wenigen beim Zocken zu. Im Artikel wird das ganze sogar medienhistorisch eingebettet, lesenswert also auch für Nicht-Zocker.

Als die US-Regierung an ihrem Etat für die NASA der kommenden Jahre bastelte, wünschte sich das Volk den Bau eines Todessterns. USA said no. Da das Volk sich aber nicht geschlagen geben will, gibt es das Ganze jetzt als Projekt auf Kickstarter (in Open Source!). Für eine detaillierte Planung reichen ja auch zunächst 20 Millionen Pfund der insgesamt veranschlagten Baukosten in Höhe von 543 Quadrillionen, oder so.

Des Weiteren hier mal eine Karte, die nicht irgendeine Karte im Internet ist, sondern eine Karte, die darstellt, wie das Internet zu uns kommt. Die Welt verkabelt also. Und bei Zeit statt Zeug gibt es Geschenkideen um mal wieder einfach nur Zeit statt unnützen Kram zu verschenken. Da freuen sich am Ende alle drüber.

…zum Schluss noch einige Meme-Updates:

Die Unvorsicht, sich mit dem Internet anzulegen, bekam dieser Tage Beyoncé zu spüren, welche sich wünschte, von ihr bei der SuperBowl-Halftimeshow als unvorteilhaft eingefangene Bilder doch bitte aus dem Internet löschen zu lassen. Wie bitte? Richtig. Aus dem Internet löschen. Das Internet war froh, diesen Spielball aufzunehmen und so entstanden einmal mehr haufenweise kreative Remixe einer eigentlich gar nicht so spektakulären Situation.

Achja, der Gangnam-Style war gestern. Let’s do the Harlem Shake. Ein Lied, ein Stil, eine Bewegung, viele verrückte Videos. Eines sollte allerspätestens jetzt allen klar sein: das Internet gehorcht eigenen, schwer zugänglichen und oft kruden Regeln. Ehe wir sie erforscht haben sind sie schon wieder antik. Vom Hyperlink zur Hypergesellschaft. Wir können das alles gut oder schlecht finden, bremsen, kontrollieren und vor allem ändern können wir es nicht. Angesichts der massiven Freisetzung von Wissen, Transparenz und Kreativität eigentlich keine schlechte Aussicht.

*es handelt sich dabei um eine Schmetterlingsart, deren jährliche Wanderung von Kanada nach Mexiko und zurück sich über etwa 4 Generationen erstreckt. Das stelle sich mal wer vor. Ein übergenerationales Ziel, in das sich alle einfügen. Gene und Instinkte hin oder her, eine interessante Form von Intelligenz jedenfalls und ein Projekt, welches die Menschheit bisher nicht Zustande brachte.

One thought on “Der Wochenpost 06/13

  1. Alex,
    sehr schöner Beitrag, den hab ich grade erst entdeckt. Ich hoffe auf mehr davon! Und das bald.

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