In Zeiten des Umbruchs, wie wir sie aktuell global erleben, stellt sich die Frage, wie durch neue Sichtweisen auf bestehende Probleme und Herausforderungen Lösungen für eine bessere Zukunft gefunden werden können. Was dabei unter „besser“ zu verstehen ist, ist eine Frage des gesellschaftlichen Diskurses und Gegenstand konflikthafter Auseinandersetzungen. Und selbst wenn es einen scheinbaren gesellschaftlichen Konsens in Bezug auf die zu verwirklichenden Werte gibt, so scheiden sich die Geister spätestens an der Frage, auf welchem Wege unter den gegebenen Rahmenbedingungen eine Realisierung derselben zu erreichen ist bzw. wie unterschiedliche normative Ideale gegeneinander abgewogen werden können und sollten. Der in den letzten Jahren in Medien und Öffentlichkeit häufig konstruierte und diskutierte Gegensatz von Freiheit und Sicherheit ist hier nur ein Beispiel.

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts haben wir uns die Frage gestellt, welche Rolle sozialen Bewegungen bei der Gestaltung von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen zukommt und wie sie diese ausfüllen. Die These, die dabei in meinem Aufsatz „Keime des Neuen“ vertreten wird, ist die folgende: Soziale Bewegungen erfüllen eine für die Gesellschaft wichtige Funktion indem sie neue Deutungsmuster für gesellschaftliche Phänomene bereitstellen bzw. alternative Selbstbeschreibungen von Gesellschaft liefern und als „Labore des Neuen“ alternative Wertearrangements und entsprechende Verwirklichungsstrategien im Kleinen erproben. Dabei spielt nicht nur eine entscheidende Rolle was getan wird, sondern auch wie es gesellschaftlich getan wird. Um gemeinsame Ideale ringende soziale Bewegungen bzw. deren Akteure werden von ihresgleichen bzw. ihren (potentiellen) Sympathisanten immer auch daran gemessen, in welchem Maße sie die von ihnen propagierten Wertvorstellungen in ihrer alltäglichen Kommunikation und Arbeit verwirklichen. So entwickeln solche Bewegungen neue innovative Praktiken, die unter Umständen als lehrreiche Beispiele für andere Gesellschaftsbereiche dienen können.

Der Volltext der Arbeit ist hier als PDF verfügbar.