Als studentisches Forschungsprojekt Empirie zu betreiben birgt Vorteile und Gefahren gleichermaßen. Angenehm ist zum Beispiel, eigenständige Datenerhebungen ohne jeglichen Abgabe- oder Verwertungsdruck zu betreiben. Andererseits kann es passieren, dass man aufgrund des Studentenstatus nicht ernst genommen wird – wobei in diesem Fall auch keine Unterstützungsschreiben von Institut oder Lehrstuhl helfen.

Wir begaben uns also Ende 2010, nach Sondierung des Forschungsgegenstandes, passenden Theorien und der Entwicklung erster Hypothesen, auf in die Expedition Empirie. Wie auf einer solchen galt es jedoch zunächst, die vorhandenen Landkarten ausgiebig zu studieren. Welche Sozialen Initiativen gibt es im Berliner Raum? Welche sind im Netz besonders aktiv? Hinter welchen verbergen sich interessante Geschichten? Welche sind in größere Netzwerke eingebunden? Diese Vorarbeit muss sich einerseits auf vorhandene und messbare Fakten stützen, andererseits bleiben einige womöglich interessante Eigenschaften im Dunkel der Spekulation verborgen, was aber wiederum auch Potenziale in der Praxis freisetzen kann.

Der Kontakt zur ersten Bürgerinitiative – einer örtlichen Widerstandsgruppe im ländlichen Brandenburg – wurde per eMail hergestellt. Der von uns angeschriebene und als zentral erachtete Akteur versagte uns aber den Zugang zu dieser Initiative: Man hätte damit schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Enttäuschung war unserer Forschungsgruppe zwar anzumerken, aber auch ein Fehlschlagen des Feldzugang gehört zum sozialwissenschaftlichen Alltagsgeschäft und wurde von uns mit eingeplant. Deswegen war es uns möglich bald Kontakt zu einer zweiten ausgewählten Bürgerinitiative herzustellen, die ebenfalls Widerstand leistet – dies aber innerhalb Berlins und dort im stadtentwicklungspolitischen Bereich.