Sozialer Wandel wird von Menschen eingeleitet, verhindert oder rückgängig gemacht. Das klingt zunächst einmal tautologisch, dessen Gestaltung ist aber alles andere als trivial. Jeder, der schon einmal versucht hat sich mit seiner Umgebung reflektiert auseinanderzusetzen und Dinge zu verändern, wird bemerkt haben, dass das Soziale an sich sehr hart sein kann. So hart, dass man sich gerne auch mal die Zähne daran ausbeißt. Deswegen macht man sich selten allein auf, bestehende soziale Gegebenheiten zu verändern, sondern wird im weitesten Sinne unternehmerisch tätig (Stichwort: social entrepreneur) und versucht andere Menschen zu finden und sich mit ihnen zu verbünden, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Kommen mindestens drei Menschen zusammen, spricht man in der Soziologie von einer Gruppe. Dessen längerfristiges Bestehen hängt unter anderem davon ab, ob es tatsächlich gelingt, emotionale Bindung untereinander (Stichwort: Vertrauen, kollektive Identität/ “Wir-Gefühl”) und in Bezug auf ein gemeinsames Ziel aufzubauen und außerdem davon, ob gemeinsam ausgehandelte Regeln- und Rollenerwartungen bestätigt werden. Gruppenprozesse, so viel lässt sich festhalten, gibt es überall. Auch dort wo sozialer Wandel angestoßen werden soll. Doch Gruppenprozesse allein reichen nicht aus um ihn hinreichend zu erklären. Wichtig ist auch die Frage nach ihrer Außenwirkung als kollektive Akteure. Dieser Aspekt wird in der aktuellen Forschung vor allem dann betrachtet, wenn soziale Bewegungen untersucht werden. Soziale Bewegungen zeichnen sich per sé durch ihre kollektive Handlungsträgerschaft qua öffentlichen Protest und Mobilisierung aus, ohne dabei formale Hierarchien und Zugangsbeschränkungen auszubilden (siehe auch). Diese Auflistung von Wesensmerkmalen aus der bestehenden Forschung beschreibt bestimmte gesellschatliche Veränderungsprozesse jedoch nicht hinreichend. Unserer Ansicht nach existiert ein anderes soziales Gebilde, dass ebenfalls sozialen Wandel herbeiführt, dabei jedoch, bildlich gesprochen, zwischen Gruppen und sozialen Bewegungen liegt. Dieses Gebilde nennen wir soziale Initiativen. Soll heißen: soziale Initiativen sind keine homogenen Gruppen aber auch keine umfassenderen heterogenen Bewegungen. Ausgangspunkt dieser Überlegungen war die Feststellung, dass heutzutage Menschen, die sozialen Wandel herbeiführen wollen, dies mehr und mehr medial vermittelt (Stichwort: social software) tun. Hierdurch werden andere Formen der Mobilisierung ermöglicht, die den eigenen Bekanntenkreis überschreiten und das jeweilige Anliegen in die Welt von Freunden von Freunden, Gleichgesinnten und Betroffenen hinausträgt, so dass eine soziale Initiative entsteht, die sozialen Wandel einleiten, verhindern oder rückgängig machen will. Wie und unter welche Bedingungen solche Prozesse stattfinden wollen wir im Rahmen unserer Forschungsarbeit untersuchen.